Im April war ich inkognito auf einer „Aktionskonferenz“ der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes — Bund der Antifaschisten in Frankfurt am Main. Rund 600 linke bis linksradikale Besucher diskutierten darüber, wie sie die bundesweite Kampagne „Aufstehen gegen Rassismus“ erfolgreich umsetzen können.

Schon nach wenigen Minuten war klar, wer der Feind ist: „die Rassisten von der AfD“. Am ersten Tag der Tagung waren die Grundpfeiler der Aktionen vorgestellt worden: Konzerte und Demonstrationen sollen die Massen mobilisieren und Zeichen setzen. Durch eine „Vernetzung der Recherchearbeit“ soll der „Charakter der AfD als rassistische Partei“ aufgedeckt werden. Und schließlich die Ausbildung von „Stammtischkämpfer*innen“.

Lehrer auf einem „Antifa“-Kongreß

Das war langweilig. Viel Theorie, wenig Stoff für einen Journalisten, linke Demonstrationen und Konzerte sind ja nichts Besonderes in Deutschland. Interessanter wurde es am zweiten Veranstaltungstag. In Kleingruppen diskutierten die Teilnehmer konkrete Aktionsmethoden. Ich war Teil der Arbeitsgruppe „Was tun in der Schule“. Hierzu nur so viel: Es waren nicht nur Schüler in der Gruppe, sondern auch mehrere Lehrer und Mitglieder der Lehrergewerkschaft (zum vollständigen Bericht geht‘s hier).

Warum erzähle ich das? Am Samstag berichtete die Bild-Zeitung in ihrer Titelgeschichte über einen Berliner Lehrer, der laut dem Blatt entlassen wurde, weil er an einer Bärgida-Demonstration teilgenommen hatte. „Wenn jemand offen Sympathie für die rechtsextremistische, vom Verfassungsschutz beobachtete sogenannte Identitäre Bewegung zeigt und sich öffentlich für die Bärgida-Bewegung engagiert, dann haben wir ein Problem. Unserer Lehrer sind ja auch immer Vorbilder“, sagte der Stiftungsvorsitzende des evangelischen Gymnasiums „Graues Kloster“, Frank Olie.

Druck auf die Schule? Fehlanzeige!

Auf Twitter und Facebook bot der Vorfall reichlich Zündstoff. Denn der Betroffene, Hendrik Pauli, ist Schatzmeister der Berliner AfD. Die Bild-Zeitung machte deshalb auch mit der Titelschlagzeile auf: „Berlin: Schule feuert AfD-Lehrer“. Der Chefredakteur der Wochenzeitung Junge Freiheit, Dieter Stein, schrieb auf Twitter: „Liebe @Bild, diese Titelseite ist eine Schande für Euer Blatt. Hättet Ihr Mumm, würdet Ihr die Entlassung kritisieren.“

Der Eintrag erhielt enormen Zuspruch. Zudem stellte Stein die Frage, warum das Boulevard-Blatt den vollen Namen und ein Foto von Pauli druckte. Wer die Bild-Zeitung kennt, weiß, daß sie auch ganz anders hätte aufmachen können, zum Beispiel mit einem Foto des Stiftungsvorstands, verbunden mit der Frage, warum die Privatschule einen Lehrer offenbar wegen seiner politischen Einstellung entlassen hat — Druck auf die Schule aufbauen.

Journalistische Verantwortung

Journalistisch hat das Blatt nichts falsch gemacht. Sie hat wertfrei berichtet, beide Seiten zu Wort kommen lassen und dem Leser erklärt, warum ein Lehrer aus politischen Gründen in der Probezeit gekündigt werden kann. Wer die Bild kennt, weiß auch, daß sie Namen und Fotos von Betroffenen sehr oft veröffentlicht, was ihr regelmäßig Rügen durch den Presserat einbringt.

Ein Journalist hat allerdings auch immer Verantwortung, in diesem Fall für Pauli. Jeder politisch Interessierte in Deutschland weiß, wessen Name einmal mit Pegida oder „Identitäre Bewegung“ (früher NPD oder freie Kameradschaften) in Verbindung kam, ist beruflich und sozial tot. Der Verantwortliche für die Samstagsausgabe könnte also im aktuellen Fall das berufliche und — was noch viel schlimmer wäre — das soziale Leben auf dem Gewissen haben.

Was die Bild also auf dem ersten Blick neutral und sachlich berichtete, entpuppt sich bei genaueren Hinsehen als Erziehungsjournalismus. Bestrafe einen, erziehe hundert. Fortan wird sich jeder Lehrer, und vermutlich auch Bürger anderer Berufe, an diese Geschichte zurückerinnern, wenn er sein Recht, auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren, wahrnehmen möchte.

Linker Erfolg

Zurück nach Frankfurt. Bei dem „Antifa“-Kongreß waren nicht nur Salonkommunisten und Bionade-Schlürfer anwesend, sondern auch Linksextreme — diejenigen, denen Ideen wie „Schulstreiks gegen AfD-Erfolge“ oder Internetkampagnen zu wenig sind. Jene Feiglinge, die des Nachts Polizeiautos und Wagen, die sie sich nicht leisten können, anzünden. Bei den Pegida und deren Ablegern kam es zu keinen (größeren) gewalttätigen Zwischenfällen. Ganz anders bei linken Demonstrationen, die sich in jüngster Zeit speziell gegen Menschen wie Pauli richten.

Trotz der Gewalt gibt es selten Konsequenzen. Ein trauriger Erfolg der Linksextremen. Auch wenn sie es nicht gerne hören und schon gar nicht eingestehen: ein Großteil der Medien steht, wenn schon nicht hinter, so doch achselzuckend neben ihnen.